Bakterieninfektionen erkennen
Nicht nur Viren, auch bestimmte Bakterien können lebensbedrohliche Infektionen bei Neugeborenen verursachen. Dazu gehören Bakterien der B-Streptokokken-Gruppe (Streptococcus agalacticae). Die Frühform dieser Erkrankung tritt in den ersten Tagen nach der Geburt auf und kann zu schweren Krankheitsformen wie Blutvergiftung, Lungenentzündung und Hirnhautentzündung führen. Das Neugeborene muss dann antibiotisch behandelt werden. Trotz ausreichender Behandlung kann es aber in etwa 20 Prozent der Fälle zu Folgeschäden kommen.
Vorsorge hilft

- Gelassen bleiben: Werden B-Streptokokken rechtzeitig entdeckt, ist eine präventive Behandlung des Kindes möglich.
Da eine B-Streptokokken-Besiedlung des Muttermundes nicht verhindert werden kann, kommt der rechtzeitigen Diagnostik eine zentrale Bedeutung zu. Die Fachgesellschaft der Deutschen Gynäkologen empfiehlt darum einen B-Streptokokken-Nachweis zur Vorbeugung. Durch breit angelegte Untersuchungen in den USA konnte nachgewiesen werden, dass eine kurz vor bzw. während der Geburt auftretende Infektion durch gezielte präventive Maßnahmen verhindert werden kann. Konkret bedeutet das: Falls bei der Mutter B-Streptokokken nachgewiesen werden, kann die Frühform der Neugeboreneninfektion durch eine Antibiotikagabe während der Geburt größtenteils verhindert werden.
Augeninfektionen sind selten
Die Credé‘sche Prophylaxe, bei der Neugeborenen 0,5 bis 1 Prozent Silbernitratlösung in die Lidfalten des Auges geträufelt werden, um eine (seltene) Augeninfektion mit Gonokokken zu verhindern, ist seit 1992 in Deutschland nicht mehr vorgeschrieben. Die Infektion mit Gonokokken tritt nur noch selten auf. Gelegentlich werden andere Substanzen zur Vorsorge von Augeninfektionen eingesetzt (Erythromycin/PVP-Jod). In Verdachtsfällen kann die Credé‘sche Prophylaxe dennoch sinnvoll sein. Falls vor der Geburt jedoch durch die Untersuchung eines Abstriches eine Infektion mit Gonokokken ausgeschlossen werden kann, ist die Credé‘sche Prophylaxe nicht erforderlich.
Empfehlung
Untersuchung auf Gruppe-B-Streptokokken in der 35. bis 37. Schwangerschaftswoche. Um besonders schnell Ergebnisse zu erhalten, steht ein hochsensitiver molekularbiologischer Test zur Verfügung (PCR).
Benötigt:
Abstrich vom unteren Teil der Scheide und vom Darmausgang.
Stichwort für Ihr Arztgespräche:
B-Streptokokken-Gruppe (Streptococcus agalacticae).

